Das Profil des Modern Dance Centers

Samstag, 27. November 2010

Wenn die Rotation der Hüfte vermessen wird...

Artikel aus der Rundschau. Autorin: Nadine Albach

Tanzen ist Lebensfreude. Und Hochleistungssport. Um professionell über die Bühne zu schweben, ist körperliche Gesundheit unerlässlich. Deswegen führt Dr. Elisabeth Exner-Grave tänzerische Check-Ups schon bei Kindern in Tanzschulen durch - etwa bei Larissa (13) im "Modern Dance Center".

Larissa dachte, sie müsste etwas vortanzen. Doch auch wenn sie ihren Gymnastikanzug anhat - die Spitzenschuhe bleiben im Schrank. Stattdessen bittet Dr. Elisabeth Exner-Grave die 13-Jährige, sich auf eine Matte zu legen und ihr Bein anzuwinkeln. Die Orthopädin zückt etwas, das an eine große Uhr erinnert, drückt den Unterschenkel nach innen und misst die Hüftrotation - Tanzschüler brauchen ein außergewöhnlich bewegliches Hüftgelenk. "60 bis 70 Grad sind ideal für die Auswärtsdrehung, 50 für innen", erklärt sie. Bei Larissa kommt sie auf 52 außen, 48 innen. "Für die Altersklasse ist das ganz gut."

Die Füße sind dran - sie geben dem Tänzer Stabilität: Für den Spitzentanz müssen die Zehen wie die Orgelpfeifen nach unten gehen. Exner-Grave misst auch die Beweglichkeit des Großzehen, schaut sich die Stärke des Fußgewölbes an. Alles in Ordnung - Larissa lächelt tapfer. Punkt für Punkt arbeitet die Fachärztin ihre Checkliste ab: Kniegelenke, Oberschenkelmuskulatur, die Beweglichkeit, die sich an den Fingern abmessen lässt.

Schließlich muss Larissa sich vorbeugen - die Wirbelsäule auf dem Prüfstand. Die Orthopädin sieht eine leichte Verkrümmung, empfiehlt eine Röntgenaufnahme, möchte in einem Jahr die Entwicklung prüfen. Dass so etwas oft erst bei tanzmedizinischen Untersuchungen auffällt, unterstreicht die Wichtigkeit der Check-Ups. "Aus physiologischer Sicht müssen Tänzer Höchstleistungen vollbringen", erklärt Exner-Grave. Bleibt die frühzeitige Erkennung körperlicher Beeinträchtigungen aus, kann das fatale Folgen haben: Fußschäden etwa bei zu frühem Spitzentanz oder ein Verschleiß des Hüftgelenks bis hin zur Arthrose. So bietet "Modern Dance Center" Besitzer Berry Doddema die Check-Ups ein bis zweimal pro Jahr an.

Larissa jedenfalls, die schon seit neun Jahren tanzt, kann weiter an der Stange stehen. "Ich fand das nicht so schlimm", kommentiert sie die Untersuchung. Ob sie einmal professionell auf der Bühne stehen möchte, weiß sie noch nicht: "Erst einmal mache ich mein Abitur."

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